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07 2026

Mikropolitiken

Eine Konferenz des eipcp in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule für Medien Köln und der Akademie der bildenden Künste Wien
2./3. Oktober 2026, Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3


“Mikropolitik ist der Versuch, die Dinge so zu fügen, dass sich die Singularisierungsprozesse nicht gegenseitig neutralisieren, sich nicht in der Rekonstitution von molaren Pseudo-Entitäten wiederfinden. Mikropolitik besteht ganz im Gegenteil darin, ein Gefüge zu schaffen, in dem sich diese Prozesse gegenseitig unterstützen und dabei intensivieren können.”
(Félix Guattari, Mikropolitik. Wunsch-Kartografie und molekulare Revolution,
im Gespräch mit Suely Rolnik, 1982) 


In den aktuellen Ausformungen des maschinischen Kapitalismus sehen wir uns einem komplexen Gefüge aus Identitarismen, (Mikro-)Faschismen und Affekt-Strömen gegenüber, das die Individuen nicht einfach nur einfängt, unterwirft oder auslöscht, sondern vielmehr deren Flüsse steuert und optimiert. Regierung bedeutet hier nicht einfach eine Struktur, die uns beherrscht, sie entsteht in den Poren, Falten und Fasern der sozialen Beziehungen und technopolitischen Maschinen, in der täglichen Einübung in Häme und Hass, Shaming und Ressentiment.

Doch im Alltag entstehen nicht nur neue Regierungsweisen, hier werden auch Widerständigkeiten und Singularitäten produziert, die die Kraft haben, neue Bewegungen entstehen zu lassen. Indem sie die unterstellte Dichotomie von Mikro- und Makro- unterlaufen, haben Mikropolitiken nicht die institutionelle Machtergreifung zum Ziel, sie durchqueren die Trennung des Politischen und des Sozialen. Die Revolution erscheint hier nicht einfach als auf Staaten und Institutionen ausgerichtetes Projekt, sondern als gegenseitige Intensivierung von emanzipatorischen Kämpfen, als molekulare Revolution der Subjektivierungsweisen, der Lebensweisen, der Singularisierungsprozesse.

Die Konferenz soll auf der Basis mehrerer neuer Bände von transversal texts in der Nachfolge von Félix Guattari, Suely Rolnik, Michel Foucault und Gilles Deleuze die Aktualität mikropolitischer Positionen herausstreichen und die Verbindung des theoretischen Konzepts mit sozialen Bewegungen untersuchen.


Félix Guattari und Suely Rolnik,  Mikropolitik. Wunsch-Kartografie und molekulare Revolution
transversal texts 2026, https://transversal.at/books/mikropolitik

Suely Rolnik, Sphären des Aufstands. Anmerkungen zur Dekolonisierung des Unbewussten
transversal texts 2024, https://transversal.at/books/sphaeren-des-aufstands

François Tosquelles, Materialismus, Psychopathologie, Begehren
transversal texts 2026, https://transversal.at/books/materialismus-psychopathologie-begehren

Isabell Lorey (Hg.), Tosquelles. Politiken des Wahnsinns
transversal texts 2026, https://transversal.at/books/tosquelles-politiken-des-wahnsinns 


Programm


2. Oktober, 13.00

Rubia Salgado: Eine Rede zur Mikropolitik mit einer Nelke zwischen den Zähnen. Oder: Wie gelangen wir zur poetischen Haltung

Christoph Hubatschke: Krach und Unsinn. Mikropolitiken des Postmedialen

Isabell Lorey: Mikrophysik des Faschismus und nicht-faschistisches Leben bei Foucault

Gerald Raunig: Frühling zwischen den Zähnen. Gegenkultur als mikropolitischer Widerstand

20.00

Mikropolitiken: Tosquelles, Guattari, Rolnik.
Panel und Buchpräsentation mit Christoph Hubatschke, Isabell Lorey, Stefan Nowotny, Rubia Salgado, Ruth Sonderegger


3. Oktober, 13.00

Boris Buden: Mikropolitik im Zeitalter des Globalen Techno-Krieges

Stefan Nowotny: Insistenzen des Lebendigen

Brigitta Kuster: Mikropolitik: un brassage

Ruth Sonderegger: Ästhetik im Integrierten Weltkapitalismus. Und quer zu ihm  

 

Moderation: Niki Kubaczek, Monika Mokre