04 2026
„Drogenhöhle, satanistische Brutstätte und Ort für Ausschweifungen aller Art“
Erklärung der Studierenden, die an der Befreiung des SKC in Belgrad beteiligt waren, anlässlich der jüngsten Äußerungen der SKC-Leitung
Am 19. März 2026 befasste sich die Sendung „Dan uživo“ auf TV N1 mit dem permanenten Aufschub einer Wiedereröffnung des Studierendenkulturzentrum SKC in Belgrad und dem Fehlen eines Programms seit August 2025 (seit das SKC geräumt worden war *). Im Anschluss an diesen Beitrag erschien wenige Tage später auf den offiziellen Kanälen und der Website des SKC eine Ankündigung für eine geplante Ausstellung. Dies soll offenbar auf die Existenz einer Art von Programm hindeuten, und im Anschluss veröffentlicht die aktuelle SKC-Leitung eine Rechtfertigung des Programmausfalls im Kulturzentrum, voll von abscheulichsten Beleidigungen gegenüber den Studierenden.
In der Darstellung heißt es unter anderem:
„Während der Blockade des SKC-Gebäudes verwandelten die Blockierer die Räumlichkeiten in: eine Drogenhöhle, eine satanistische Brutstätte und einen Ort für Ausschweifungen aller Art sowie für unmoralische und illegale Aktivitäten.
Während der Blockade haben die Blockierer das SKC vollständig zerstört und geplündert. Sie stahlen: Ausrüstung, Technik, Unterlagen, Kunstwerke, Möbel, alle Speichermedien, die Telefonzentrale, die Kinoleinwand, Computer, Drucker, Monitore, Laptops, Kameras, Tische, Stühle ... Sie zerstörten: ein Klavier, die Videoüberwachung, das Internet, Galerien, Säle, Büros, die Heizungsanlage, die Brandmeldeanlage, die Schlösser an allen Räumen … die Liste ist schier endlos …“
Wir müssen nicht mit einer Gegendarstellung auf diese schier endlose Liste von Lügen zu reagieren. Wir brauchen keine Gegendarstellung – wir haben ein Programm hinter uns, an dem Tausende von Bürger_innen, Studierenden und jungen Menschen Freude hatten, wir haben ein Archiv mit Plakaten und Fotos. Während die aktuelle SKC-Leitung tendenziös Lügen über gestohlene Gegenstände verbreitet, behaltet sie immer noch die beschlagnahmten persönlichen Gegenstände und die gesamte Ausrüstung ein, die die Studierenden dank Spenden von Bürger_innen in diese kulturelle Einrichtung eingebracht haben und die zurückgelassen wurden, nachdem das SKC unter studentischer Leitung geräumt worden war.
Ebenso heißt es in dem Text, dass „Behauptungen über eine angebliche Privatisierung, einen Verkauf oder eine Kommerzialisierung des Raums völlig unbegründet sind und ohne den geringsten Beweis vorgebracht wurden“, obwohl es seit 2017 den Vorschlag gab, das SKC mit dem Studentischen Gemeindekulturzentrum zusammenzulegen, verbunden mit der Idee, das SKC-Gebäude zu vermieten.
Die derzeitige Regierung und ihre Handlanger treiben seit Jahren die Privatisierung, Kommerzialisierung oder vollständige Beseitigung von kulturell und historisch bedeutenden Gebäuden voran, vor allem aber auch der Gesetze, die diese schützen, wie dies im Fall des Generalstabsgebäudes mit der Lex specialis versucht wurde.[1] Kurz nach der Verabschiedung der Lex specialis wurde für das kulturhistorische Ensemble rund um die Knez-Mihailova-Straße, zu dem auch das Generalstabsgebäude gehört, eine Erweiterung vorgeschlagen. Dies hätte auch den Schutz des Offiziersheims, d. h. des heutigen Studentischen Kulturzentrums, aufgehoben, was kommerzielle Manöver sicherlich erleichtert hätte. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass die Stadt Novi Sad die Räumlichkeiten der Kunstakademie übernommen hat und damit den Lehrbetrieb und das Überleben dieser Hochschule der Künste gefährdet.
Wir wissen, dass ihr nicht aufhören werdet, und wir wissen, dass ihr keine Grenzen kennt, aber wir werden nicht aufgeben, denn wenn ihr uns unsere Kultur nehmt, wenn ihr uns unsere öffentlichen Güter nehmt, wenn ihr uns unsere Bildung nehmt, versklavt ihr auch unseren Geist und die Freiheit des zukünftigen Schaffens, die Freiheit des Denkens, die Freiheit selbst – und das dürfen wir euch nicht gestatten.
Und so werden wir die Autonomie der Universität, die Autonomie der Kultur, die Autonomie der wissenschaftlichen und kreativen Arbeit verteidigen, solange es nötig ist. Denn ihr werdet nichts verteidigen außer euren eigenen armseligen, verstaubten, abgenutzten Sesseln und euren prall gefüllten Taschen.
* Zur Erinnerung: Zwischen dem 12. Februar und dem 22. Juli 2025 organisierten die Studierenden fast jeden Tag ein Programm: In den Händen der Studierenden führte das SKC über etwas mehr als 150 Tage hinweg ein seriöses, kompetentes und ausgereiftes Programm durch, alles mit Hilfe von Spenden, Geschenken und Leihgaben von Bürger_innen, die das Ziel unterstützten, Räume für Studierende zu organisieren und ein Zentrum für jugendlichen Ausdruck wiederzubeleben.
11 Ausgaben der SKC-Lista
SKC-Internetradio mit mehr als 25 Sendungen
BlokadniFEST
BeldocsApril-Treffen mit internationaler Beteiligung
Game Jam
Modenschau
Festum-Festival
Feier zum 54-jährigen Bestehen des SKC
8 Workshops (Poesie, Druckgrafik, Kalligraphie, Origami, Seidenakrobatik, Bujutsu-Philosophie, Prozessdrama, Freskomalerei)
1 Musical
1 Theaterstück
1 zeitgenössische Zirkusvorstellung
103 Filmvorführungen
32 Musikkonzerte aller Genres mit 99 Gruppen
15 Kunstperformances
11 Ausstellungen
34 Bildungsdiskussionen zu relevanten gesellschaftlichen Themen
3 Videospielturniere
Zahlreiche humanitäre Aktionen
s. auch: https://transversal.at/blog/skc-u-blokadi_de
[1] Vgl. dazu den Artikel „Schweigeminuten gegen Luxushotel der Familie Trump“ in der Süddeutschen Zeitung, 11. November 2025: https://www.sueddeutsche.de/politik/serbien-proteste-kushner-vucic-li.3336981.